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(schon lustig zu sehen,
wie man weinend feiert)
Gerta, die
Seelenschlampe
Stürmisches Getöse vor dem Fenster. Piet wachte auf und
rieb sich die Augen, er war direkt hellwach. Etwas
benommen rieb er sich durchs Gesicht und schaute sich um.
"Guten Morgen Piet" erklang die erstickte Stimme von
Gerta, Piets 50-Pfund-Seelenschlampe. Piet musste grinsen.
"Moin! Ich hoffe, du hast schlecht geschlafen, Gerta!"
Zufrieden stand er auf, außer einer Unterhose hatte er
nichts an. Seine Muskeln zeichneten sich unter seiner Haut
mittlerweile deutlich ab, nur am Bauch hatte er noch ein
bisschen Fett. Das machte ihm zurzeit allerdings nichts,
körperlich fühlte er sich (das erste Mal seit Jahren)
einigermaßen fit und wohl. Er kratzte sich und besah sich
dann Gerta, wie sie in ihrem schwebenden Sessel saß, dick
und aufgedunsen, mit fettigem Haar und vor Schweiß
glänzendem Gesicht. Mit ihren aufgeschlitzten Armen und
Knien voll Wasser.
"Weißt du, ich wollte eigentlich, dass es dir gut ginge.
Aber du machst es mir nicht gerade einfach", sagte Piet
abschätzend.
"Und dir würde es wahrscheinlich am allerbesten gefallen,
wenn ich verschwände. Aber so einfach geht das nicht",
ächzte sie und räkelte sich. Aufstehen konnte sie nicht,
doch ihr Sessel trug sie überall hin, wo sie auch hin
wollte.
"Zugegeben, schon. Aber mir gefällt es auch, mir vor Augen
zu halten, was für einen Einfluss mein Geist auf dich
hat", erwiderte er, "aber was rede ich da...", murmelte er
mehr zu sich selbst als zu ihr und ging zu seiner
Kaffeemaschine.
Es war ein schöner Morgen. Der Herbstwind blies durch die
Straßen, es war bewölkt und von äußerst angenehmer
Pullover-Temperatur. Piet freute sich stets über solches
Wetter. Einen Moment stand er gedankenverloren mit seiner
leeren Kaffeetasse in der Hand am Fenster und ließ die
Seele baumeln, bis Gerta mit einem Ploppen neben ihm
erschien.
Sie musterte ihn mit einem Stirnrunzeln und sagte dann:
"Na, denkst du mal wieder über dein Leben nach?
Rationalität um Spiritualität, aiaiai, vergiss mal den
Hedonismus nicht, Schätzchen, ich weiß doch, dass du
willst."
Piet drehte sich um. "Du kennst mich nicht. Maß dir also
sowas nicht an, es steht dir nicht gut." Da grinste er
wieder. "Aber was steht dir schon?"
Gerta verkörperte für ihn alles, wogegen er vor allem im
letzten Jahr gekämpft hatte, doch als lethargische
Schlampe war sie immer noch überraschend wendig und
hartnäckig. Und, auch wenn Piet ihr das eigentlich nicht
zugestehen wollte, ziemlich clever. Das Telefon klingelte.
Piet hob den Hörer und sagte: "Hier P. am Apparat? - Ach,
hallo Gilbert!"
Gilbert, der Spastiker
Gerta verdrehte die Augen und stöhnte. Gilbert, der
Spastiker, wieder einmal dieser naive, weltfremde Trottel.
Er traf sich in letzter Zeit erstaunlich oft mit ihrem
Piet, und das missfiel ihr. Ihr Einfluss auf ihn war
gesunken, seitdem Piet Gilbert zufällig wiedergetroffen
hatte. Er war ein Freund aus Grundschulzeiten. Und nun
würde Piet wieder mit ihm bummeln gehen, von früher
schwärmen, dem Idealismus zureden, all das weinerliche
Gewäsch.
"Ja, klar, in zehn Minuten?!", ertönte Piets fröhliche
Stimme. Sie hatte also mal wieder Recht gehabt; sie
seufzte auf und fragte: "Na, ist deinem alten
Spastikerkumpel mal wieder langweilig?"
Piet schaute sie traurig an. "Weißt du, irgendwann wirst
du dich überfressen haben und platzen, und ich werde deine
Überreste nicht vom Boden wischen, ich werde einfach
umziehen oder vielleicht schon umgezogen sein, und dann
bleibt dein Restspeck bloß den Maden."
Mit diesen Worten drehte er sich um und ging duschen.
Gerta kannte dieses Gesülze schon und kümmerte sich nicht
weiter drum. Sollte er doch mit Gilbert gehen. Sie wusste,
es würde der Tag kommen, an dem Piet wieder winselnd und
weinend zu ihr zurückflüchtete, weil er der
fadenscheinigen Scheiße von Gilbert, Tess und all seinen
neuen alten Freunden nicht mehr standhalten konnte. So wie
früher. Entspannt grinsend lehnte sie sich zurück.
Als zehn Minuten vergangen waren, klingelte es an der Tür,
es war tatsächlich Gilbert. Gerta blickte gelangweilt um
die Ecke. Er sah einfach zum Schießen aus mit seinen zwei
verschieden langen Beinen, seinem pinken
Kleinmädchenrucksack, seinem Zylinder, seiner
verschmutzten Latzhose und seinem widerwärtig freundlichen
glucksenden Grinsen, das er stets zur Schau trug.
"Ach, hallo Gerta, du bist auch noch da, mit Frack und
Schuh! Gegrüßt seien dein gemütlicher Sessel und du!
Kommst du mit zu Onkel Opas Grab? Wir gehen gleich, Piet
holt nur noch seinen Stab!"
"Nein danke, Gilbert..." Gerta verdrehte die Augen,
Gilberts schwachsinnige Reimerei nervte sie. Sie war ja
meist noch nicht mal gut.
Da kam dann Piet auch schon mit Hut und Stab und nickte
ihr noch zu und verließ die Wohnung.
Zusammen mit Gilbert ging er nun seinen toten Opa
besuchen.
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Ich
bin kein Kind von Traurigkeit
Bin zu jeder Schandtat bereit
Um dich mit einem Kuss ins
Traumland zu entführ´n
Denn wer nicht wagt,
der nicht gewinnt,
deshalb sind wir das,
was wir sind,
es ist egal, wie tief man fällt,
zu uns´ren Füßen liegt die Welt.
Samsas Traum - Zwei Gelsen und ein Strick
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