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02.11.2010
| 11:11
Zustand: koffeingeschockt
Musik: KIZ - Tekknohurensohn

50 Pfund Seelenschlampe
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*
 

(schon lustig zu sehen, wie man weinend feiert)
 

Gerta, die Seelenschlampe

Stürmisches Getöse vor dem Fenster. Piet wachte auf und rieb sich die Augen, er war direkt hellwach. Etwas benommen rieb er sich durchs Gesicht und schaute sich um.
"Guten Morgen Piet" erklang die erstickte Stimme von Gerta, Piets 50-Pfund-Seelenschlampe. Piet musste grinsen.
"Moin! Ich hoffe, du hast schlecht geschlafen, Gerta!"
Zufrieden stand er auf, außer einer Unterhose hatte er nichts an. Seine Muskeln zeichneten sich unter seiner Haut mittlerweile deutlich ab, nur am Bauch hatte er noch ein bisschen Fett. Das machte ihm zurzeit allerdings nichts, körperlich fühlte er sich (das erste Mal seit Jahren) einigermaßen fit und wohl. Er kratzte sich und besah sich dann Gerta, wie sie in ihrem schwebenden Sessel saß, dick und aufgedunsen, mit fettigem Haar und vor Schweiß glänzendem Gesicht. Mit ihren aufgeschlitzten Armen und Knien voll Wasser.
"Weißt du, ich wollte eigentlich, dass es dir gut ginge. Aber du machst es mir nicht gerade einfach", sagte Piet abschätzend.
"Und dir würde es wahrscheinlich am allerbesten gefallen, wenn ich verschwände. Aber so einfach geht das nicht", ächzte sie und räkelte sich. Aufstehen konnte sie nicht, doch ihr Sessel trug sie überall hin, wo sie auch hin wollte.
"Zugegeben, schon. Aber mir gefällt es auch, mir vor Augen zu halten, was für einen Einfluss mein Geist auf dich hat", erwiderte er, "aber was rede ich da...", murmelte er mehr zu sich selbst als zu ihr und ging zu seiner Kaffeemaschine.
Es war ein schöner Morgen. Der Herbstwind blies durch die Straßen, es war bewölkt und von äußerst angenehmer Pullover-Temperatur. Piet freute sich stets über solches Wetter. Einen Moment stand er gedankenverloren mit seiner leeren Kaffeetasse in der Hand am Fenster und ließ die Seele baumeln, bis Gerta mit einem Ploppen neben ihm erschien.
Sie musterte ihn mit einem Stirnrunzeln und sagte dann: "Na, denkst du mal wieder über dein Leben nach? Rationalität um Spiritualität, aiaiai, vergiss mal den Hedonismus nicht, Schätzchen, ich weiß doch, dass du willst."
Piet drehte sich um. "Du kennst mich nicht. Maß dir also sowas nicht an, es steht dir nicht gut." Da grinste er wieder. "Aber was steht dir schon?"
Gerta verkörperte für ihn alles, wogegen er vor allem im letzten Jahr gekämpft hatte, doch als lethargische Schlampe war sie immer noch überraschend wendig und hartnäckig. Und, auch wenn Piet ihr das eigentlich nicht zugestehen wollte, ziemlich clever. Das Telefon klingelte. Piet hob den Hörer und sagte: "Hier P. am Apparat? - Ach, hallo Gilbert!"

Gilbert, der Spastiker

Gerta verdrehte die Augen und stöhnte. Gilbert, der Spastiker, wieder einmal dieser naive, weltfremde Trottel. Er traf sich in letzter Zeit erstaunlich oft mit ihrem Piet, und das missfiel ihr. Ihr Einfluss auf ihn war gesunken, seitdem Piet Gilbert zufällig wiedergetroffen hatte. Er war ein Freund aus Grundschulzeiten. Und nun würde Piet wieder mit ihm bummeln gehen, von früher schwärmen, dem Idealismus zureden, all das weinerliche Gewäsch.
"Ja, klar, in zehn Minuten?!", ertönte Piets fröhliche Stimme. Sie hatte also mal wieder Recht gehabt; sie seufzte auf und fragte: "Na, ist deinem alten Spastikerkumpel mal wieder langweilig?"
Piet schaute sie traurig an. "Weißt du, irgendwann wirst du dich überfressen haben und platzen, und ich werde deine Überreste nicht vom Boden wischen, ich werde einfach umziehen oder vielleicht schon umgezogen sein, und dann bleibt dein Restspeck bloß den Maden."
Mit diesen Worten drehte er sich um und ging duschen. Gerta kannte dieses Gesülze schon und kümmerte sich nicht weiter drum. Sollte er doch mit Gilbert gehen. Sie wusste, es würde der Tag kommen, an dem Piet wieder winselnd und weinend zu ihr zurückflüchtete, weil er der fadenscheinigen Scheiße von Gilbert, Tess und all seinen neuen alten Freunden nicht mehr standhalten konnte. So wie früher. Entspannt grinsend lehnte sie sich zurück.
Als zehn Minuten vergangen waren, klingelte es an der Tür, es war tatsächlich Gilbert. Gerta blickte gelangweilt um die Ecke. Er sah einfach zum Schießen aus mit seinen zwei verschieden langen Beinen, seinem pinken Kleinmädchenrucksack, seinem Zylinder, seiner verschmutzten Latzhose und seinem widerwärtig freundlichen glucksenden Grinsen, das er stets zur Schau trug.
"Ach, hallo Gerta, du bist auch noch da, mit Frack und Schuh! Gegrüßt seien dein gemütlicher Sessel und du! Kommst du mit zu Onkel Opas Grab? Wir gehen gleich, Piet holt nur noch seinen Stab!"
"Nein danke, Gilbert..." Gerta verdrehte die Augen, Gilberts schwachsinnige Reimerei nervte sie. Sie war ja meist noch nicht mal gut.
Da kam dann Piet auch schon mit Hut und Stab und nickte ihr noch zu und verließ die Wohnung.

Zusammen mit Gilbert ging er nun seinen toten Opa besuchen.


*

 

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Ich bin kein Kind von Traurigkeit
Bin zu jeder Schandtat bereit
Um dich mit einem Kuss ins
Traumland zu entführ´n

Denn wer nicht wagt,
der nicht gewinnt,
deshalb sind wir das,
was wir sind,
es ist egal, wie tief man fällt,
zu uns´ren Füßen liegt die Welt.


Samsas Traum - Zwei Gelsen und ein Strick

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01.07.2010
| 12:26
Zustand: kreativ
Musik: Die Toten Hosen - Wir

Der Heilige Gral
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*
 

Sein Herz raste, als er sich umsah, bunte Farben wirbelten wild um ihn herum. Keuchend und schweißüberströmt versuchte er sich aus der Beinfessel, die sich um seine Beine geschlungen hatte, zu befreien, verlor aber das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Mit einem dumpfen Krachen stieß er sich den Kopf an und jaulte auf. Bunte, flackernde Lichtlein tanzten vor seinen Augen, als er sachte seinen Kopf hielt, um das Wummern zu unterdrücken. Wirren Blickes richtete er sich auf, blinzelte, konnte seine Umgebung jedoch nur schemenhaft wahrnehmen. Die Welt drehte sich, mit einem Affenzahn rauschte sie an ihm vorbei, dutzende Sinneswahrnehmungen brachen auf ihn ein – er roch den Himmel und schmeckte die Hölle, seine Augen brannten, überall auf seiner Haut spürte er tausende Spinnenbeinchen, Raben krähten und Hirsche röhrten dumpf aus dem Dickicht von draußen her, sein Magen schlug Purzelbäume. Verzweifelt schlug er einen Moskito tot, der sich an seinem Blut labte. Wie war er nur nach all den Abenteuern, die ihm immer noch die Lider schwer machten, hierher geraten? Die Höhle versprach Unheilvolles. Langsam tastete er sich vor.
Mit einem lauten Knall barst plötzlich die Seitenwand und ein Kobold brach hindurch. Er fuchtelte wild mit seinen Armen und stieß unverständliche Laute aus, aufgeregt gestikulierte er zu einer staubigen Anhöhe hin. Nach einer kurzen Schockstarre folgte er dem Blick des Kobolds und keuchte. In mattem Schein stand dort genau das, was er fortwährend suchte! Er blinzelte ein paar Mal, bis er erregt erkannte, dass Zweifel ausgeschlossen waren: es war der Heilige Gral. Dieser Anblick gab ihm die Kraft für einen erneuten Versuch, sich zu befreien. Er riss sich mit seinen Beinen los, schmiss die Fessel fort, rappelte sich auf, näherte sich der Anhöhe und – ergriff ihn. Mit zittrigem Leib, doch festem Griff hielt er ihn sicher umschlossen und drückte ihn an sich. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Eine wohlige Wärme breitete sich langsam in ihm aus, erleichtert seufzte er auf und dankte Gott dafür.
Dann trank er seinen Kaffee aus, wünschte seiner Schwester einen schönen Tag und fuhr zur Uni.
 

*

 

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Everybody is tired, and poor and sick of trying
If you see me on a corner, will you stop or will you splash me?

Take a look at what we've become
Nothing more than silhouettes of
A pretty family, on a postcard, picture perfect

I don't want it!


Billy Talent - This Is How It Goes

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25.05.2010
| 22:26
Zustand: nachdenklich
Musik: Samsas Traum - Tineoidea (WerHatAnDerUhrGedreht RMX)

Zweiundzwanzig Rosinen, vierundzwanzig Uhren
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Zwanzig Kästen Bier, fünfzehn Flaschen Schnaps, zwei Polizeibesuche, ein gebrochener Arm und eine Offenbarung später: Es war ein ereignisreiches Wochenende. Ich möcht' dabei die Gelegenheit nutzen und allen, die mir gratuliert haben, noch mal ein fettes Danke aussprechen. Allen voran euch von außerhalb, die ihr es geschafft habt herzukommen, ich hab mich tierisch darüber gefreut! :) Und n fettes Danke noch für die ganzen tollen Geschenke, ob vegetarischer Verpflegungskorb, Mitternachtsverse, Bücher oder Bierglas, alle sagen mir unglaublich zu. Heute hab' ich mich durch den halben Obstkorb gefuttert und hab teilweise Sachen gegessen, bei denen ich mir nicht mal ganz sicher war, was es eigtl war. Vielen Dank einfach allgemein für den Ausnahmezustand, der den Geburtstag zu was Besonderem werden ließ.

Aber 's war auch komisch heute, nach diesem Remmidemmi hier wieder allein zurückzubleiben, mich um den tristen Unikram zu kümmern und die letzten (noch allzu deutlichen) Spuren von den Tagen zu beseitigen (Scherben, überall!). Diese plötzliche Leere hätte mich fast erdrückt. Und mir tut es übrigens leid, falls jemand das Gefühl haben sollte, dass ich zeitweise zu wenig da war oder mit meinem Mundwerk zu falschen Zeiten falsche Eindrücke geschürt habe. Ich hab' mich über jede/n Einzelne/n extrem gefreut, ich hoff', ihr hattet Spaß. Umso nerviger ist der Alltag nun. Und hier, Bilder! Möcht' ich sehen.

Allen eine gute Nacht!

 

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Doch Märchen sind für Menschen da,
uns Träume zu bereiten,
Und Träume sind zum Leben da,
die Wahrheit zu begleiten.


Samsas Traum - Thanathan und Athanasia

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